Geschichte von Nizza

Die ersten bekannten Bewohner Nizzas waren nomadisierende Steinzeitjäger, die vor 400.000 Jahren Flusspferde und Elefanten anpirschten. Sie lagerten in Höhlen am Fuß des Mont Boron.
Die ständige Besiedlung erfolgte aber erst im 4. Jahrhundert v. Chr., als die griechischen Phokäer, die ein Jahrhundert zuvor Marseille gegründet hatten, die Ligurer besiegten. Sie legten einen Hafen an und errichteten darüber eine Akropolis. Zu Ehren der Siegesgöttin Nike nannten sie die Siedlung Nikaia.
154 v. Chr. kamen die Römer. Sie errichteten 3 km landeinwärts auf den Bergen von Cimiez die Siedlung, Cemenelum. Augustus machte 14 v. Chr. Cemenelum zur Hauptstadt der Mittelmeeralpen. Die Via Iulia Augusta (7 v. Chr.) und der damit verbundene Aufschwung ließen den Stützpunkt zur Stadt anwachsen.
Im 2. Jahrhundert hatte sich daraus ein Stadt von 20.000 Menschen entwickelt. Aus dieser Zeit stammen weite Ruinenfelder sowie ein Theater mit 5.000 Plätzen. Im 5. Jahrhundert, in den Wirren der Völkerwanderung, wurde Cemenelum zugunsten von Nikaïa aufgegeben.
Im Laufe ihrer Geschichte hatte die Region viele Herren. Nach den Römern kamen 508 die Ostgoten und 536 fiel die Stadt an das Frankenreich. 813, 859 und 880 wurde Nizza von sarazenischen Angreifern geplündert. Danach war die Stadt den Angriffen der Muslime ausgeliefert, die sich von 888 bis 975 im nahen Fraxinetum festgesetzt hatten.
1176 gibt es eine erste Stadtverfassung. Nizza wurde im 12. Jahrhundert aragonesisch und gehörte ab 1246 zum Haus Anjou. 1385 kam es zu Erbfolgewirren. 1388 löste sich Nizza von Frankreich und unterstellte sich Savoyen.
1543 erfolgte die Belagerung und Plünderung von Nizza durch eine verbündete französisch-osmanische Streitmacht. Nachdem die Stadt bis auf die Zitadelle eingenommen war, endete der Kampf beim Eintreffen der kaiserlichen Soldaten Karls V. mit dem Rückzug der Angreifer. 1691 nahm der Sonnenkönig Ludwig XIV. Nizza ein und wurde Graf von Nizza. Zwei Jahre später erlangte der Herzog von Savoyen die Grafschaft Nizza durch die Heirat seiner Tochter mit einem Enkel Ludwigs XIV. zurück.
1744 eroberten französisch-spanische Truppen die Grafschaft Nizza, die im Aachener Frieden von 1748 erneut Savoyen zugesprochen wurde. Nach einer Volksabstimmung 1793 wurde Nizza als 85. Département “Alpes-Maritimes“ Frankreich angegliedert. 1814 fiel Nizza an Piemont zurück. Im Vertrag von Turin wurde 1859 die endgültige Angliederung Savoyens und Nizzas an Frankreich festgelegt.
Nizza war also fast 500 Jahre lang italienisch. Danach kamen die Engländer, die Russen und andere mondäne Touristen in die Metropole der französischen Riviera. Schon im 19. Jahrhundert war Nizza aufgrund des milden Klimas ein beliebtes Winterquartier für den europäischen Hochadel – hier logierten beispielsweise der russische Zar und Königin Victoria. So viele Landsleute machten es der englischen Königin nach, dass Alexandre Dumas 1851 scherzte, Nizza sei eigentlich eine englische Stadt, in der man hin und wieder auch einen Einheimischen träfe.
1890 überwinterten 22.000 Menschen in der Stadt, 1910 waren es schon 150.000. Mit dem touristischen Aufschwung wurde die Industrialisierung gefördert, die im 20. Jahrhundert zunehmend italienische Gastarbeiter anzog. Heute kann in Frankreich nur noch Paris mehr Besucher aufweisen als Nizza.